Analyse: Der Kunstmarkt in Berlin

Zur Evaluierung der Machbarkeit eines Projekts untersucht TP Theorie&Praxis den Kunstmarkt in Berlin. Untersucht wird der Kunstmarkt in Berlin hinsichtlich der Eignung für einen Einsatz mobiler Technologien.

Standort Berlin

Berlin ist sehr beliebt bei Künstlern – etwa 10.000 Künstler wirken in der Stadt. Insbesondere als Produktionsort hat Berlin einen großen Reiz. So arbeiten teilweise die Künstler in Berlin, leben jedoch anderenorts.

Außer den sehr namhaften Künstlern können in Berlin Künstler häufig nicht allein von ihrer Kunst leben – es sind weitere Einnahmequellen notwendig, wie z.B. Stipendien, Nebenjobs etc.. Schwierigkeiten für junge Künstler und Absolventen bestehen insbesondere in der Erlangung eines Zugangs zum Kunstmarkt und der Generierung von Sichtbarkeit und Bekanntheit im Kunstbetrieb.

Die Beliebtheit des Kunst-Standorts Berlin ergibt sich – neben dem Reiz der Stadt als Metropole – aus den im Städtevergleich noch relativ geringen Mieten und sonstigen Lebenshaltungskosten. Aufgrund der Rahmenbedingungen wird häufig das Modell „Produzentengalerie“ praktiziert: Künstler schaffen sich selbst Ausstellungsplattformen, und mieten gemeinsam Räume an.

Aufgrund der Vielzahl der ansässigen Künstler ist Berlin auch für internationale Museen interessant – künstlerische Neuentdeckungen und Talentsuchen sind möglich. Ein Beleg für den deutlichen Image-Zuwachs der Stadt ist die dritte Kooperation des Museum of Modern Art und des Metropolitan Museum mit den Staatlichen Museen im Jahr 2011.

Kunstsammler

Grundsätzlich werden die Kunstsammler immer jünger. Noch vor zwanzig Jahren bildete das Sammeln von Kunst eine bürgerliche Tugend. Aktuell gibt es hingegen immer jüngere Sammler, insbesondere aus der Kreativ-Wirtschaft (Mode, Design, Architektur).

Auf dem Kunstmarkt herrschte ein massiver Preisverfall seit dem Jahr 2008, teilweise gar um 33%. Hieraus ergibt sich die Chance zur Schnäppchenjagd. Die vornehmlichen Handlungsmotive von Kunstsammlern bestehen in:

  • Streben nach Status und Prestige,
  • Streben nach Geld und Rendite,
  • Genuss des Umgangs mit Kunst und Künstlern.

Galerien in Berlin
In Berlin gibt es ca. 400 bis 500 Galerien. Gerade in den letzten Jahren waren hohe Zuwachsraten zu verzeichnen. Durchschnittlich werden 2,5 Mitarbeiter pro Galerie beschäftigt, d.h. insgesamt ca. 1.000 bis 1.250 Mitarbeiter. Etwa 40 bis 50 (ca. 10%) der heutigen Galerien sind „Produzentengalerien“ (initiiert und betrieben durch Künstler).

Galerien sind vielfältige und dezentrale Ausstellungsorte für Kunst. Sie erfüllen folgende Rollen:

  • Händler,
  • Vermittler,
  • „Kunsthallenfunktion“ (3.000 Ausstellungen, 1 Mio. Besucher pro Jahr).

Die Galeriendichte in Berlin ist sehr hoch – das ist eine Medaille mit Kehrseite: Einerseits wertet dies den Standort Berlin auf, andererseits verschärft es die Konkurrenzsituation der Galerien untereinander.

Die Umsatzverteilung verdeutlicht die Dominanz einiger weniger Galerien. So werden etwa 50% der Umsatzerlöse lediglich durch 5% der Galerien erwirtschaft. Hingegen erwirtschaften 50% der Galerien nur 5% des Umsatzes. Der Jahresumsatz betrug im Jahr 2009 insgesamt ca. 100 Mio. Euro, was ein krisenbedingtes Minus von 40% gegenüber dem Jahr 2008 bedeutet. Ungefähr 60% des Umsatzes betrifft Malerei, ungefähr 20% Fotografie.

Erfolgsfaktoren für Berliner Galerien sind folgende:

  • Zugriff auf Künstler-Talente, deren Aufbau und langfristige Bindung,
  • Stammkundenpflege: 55% der Umsätze werden durch Kunden mit einer über fünf Jahre dauernden Kundenbindung erwirtschaftet,
  • Aufmerksamkeit durch Präsenz: Zum Beispiel auf Veranstaltungen und in Institutionen sowie auch in reichweitenstarken Medientma

Fazit
Der Kunstmarkt in Berlin ist kompliziert. Aufgrund der  Stärke mancher Galerien ist es für unbekanntere und noch nicht renommierte Künstler schwierig Sichtbarkeit und Bekanntheit zu erzielen. Dies kann durch ein lokal ausgerichtetes Marketing, auch im mobilen Kanal, verbessert werden. Als mobile Applikation könnte eine mobile Suche Erfolg versprechen, die weniger nach Künstlernamen als mehr Richtung lokaler Suchkriterien und der Kunstrichtung zielt. Dies könnte durch eine Augmented Reality Funktion erweitert werden.